Heiße Acts und Sonnenbrand: DEICHBRAND 2010 war in jeder Hinsicht ein Burner
Drei Tage lang rockten rund 13000 Besucher auf dem Seeflughafen-Gelände Cuxhaven/Nordholz zu Hip Hop, Alternative, Rock, Pop, Reggae, Crossover, Funk und Metal bis der Deich brannte. Da konnte auch Petrus nichts mehr löschen.

Aus ganz Deutschland zog es die Musikfans am Wochenende zum DEICHBRAND-Festival, wo ein vielversprechendes Line-Up auf sie wartete. Auch die Wetterprognose sah gut aus...
Sonne satt und Temperaturen um die 30 Grad: Was will man mehr? Bereits am Freitag jagte auf den zwei Hauptbühnen (Fire- und Waterstage) ein Highlight das nächste. Während bei Wayne Jackson, der - musikalisch gesehen - einen sehr guten Auftritt ablieferte, viele noch ihre Zelte aufbauten oder auf Einlass warteten, erreichte die Stimmung beim Auftritt von Revolverheld einen ersten Höhepunkt. Die fünf Musiker legten sich mächtig ins Zeug und spielten neben Songs von ihrem aktuellen Album "In Farbe" und älterem Songmaterial sogar den Fanta 4-Klassiker "Was geht?" Da waren auch Nicht-Fans begeistert: "Wow, die rocken live ja richtig ab!"

Nach den Blood Red Shoes brachte Ärzte-Drummer und Rampensau Bela B. mit seiner Band Los Helmstedt nicht nur die Mädels in der ersten Reihe mit seinem hypnotisierenden Blick ins Schwitzen. Perfekt gestylt und mit einer ordentlichen Portion Elvis-Attitude lieferte der "Human Boss" eine gelungene Show ab.

Richtig laut wurde es an diesem Abend bei Papa Roach. Die Energie der US-Rocker sprang schnell auf das Publikum über: Die Menge bebte und es wurde - im wahrsten Sinne des Wortes - gepogt bis zum Umfallen. Und wer dachte, die Stimmung sei nicht mehr zu toppen, wurde schon bei den ersten Tönen des Megahits "Last Resort" eines Besseren belehrt.

Ob Petrus zu nächtlicher Stunde die angeheizte Masse ein bisschen abkühlen oder einfach auch mal für einen gelungenen Special Efffect sorgen wollte, ist fraglich. Tatsächlich passte das aufkommende Gewitter perfekt zum Konzertauftakt der Apokalyptischen Reiter und ihrer eher düsteren Musik. Viele flüchteten bei dem Regen allerdings lieber ins Clubzelt um dort bis in die frühen Morgenstunden zu feiern.
Das Programm am Samstag startete mit Love Many Feet, Harthof und Ska-Punk von der Sondaschule. Viel zu früh endete leider der Auftritt der Kölner Band Timid Tiger. Sänger Keshav PuruShotam sorgte in seiner flotten Hot Pants samt Hosenträgern nämlich nicht nur hier und da für betretenes Schweigen bei männlichen Modemuffeln. Schon mit ihrem Opener "Electric Island" sorgten die Jungs samt ihrer goldenen Stirnbänder für gute Laune. Schade, dass diese erfrischende Band kurz nach ihrem Britney Spears-Cover "Womanizer" auf Grund des Regens ihren Auftritt vorzeitig
abbrechen mussten.

Noch während des Auftrittes von Ex-Blumfeld-Sänger Jochen Diestelmeyer kamen aber schon wieder die ersten Sonnenstrahlen hervor. So wurde die nachfolgende Show der Ohrbooten nicht nur im musikalischen Sinne sehr sonnig. "Gyp-Hop" nennen die Berliner ihren Musikstil, der das DEICHBRAND-Publikum auch ohne die Aufforderung "Beweg dich" zum shaken und Popo wackeln anregte.

Nach entspanntem Indie-Pop von Grand Avenue, lässigen Hip Hop-Grooves der Combo Blumentopf und coolem Elektro-Sound von Großstadtgeflüster sorgte die Band Madsen für ein weiteres Konzert-Highlight an diesem Wochenende. Kaum zu glauben, dass Sänger Sebastian noch wenige Minuten vor dem Auftritt nervös im Backstage-Bereich hin und her tigerte. Auf der Bühne war der 29-jährige - trotz heißer Showeffekte - völlig cool, kennt "Panik" nur als Songtitel und will gemeinsam mit seiner Band und den Fans "Nachtbaden" gehen, wenn er nicht gerade eine grandiose Coverversion des Pixies-Klassikers "Where is my mind" singt.
Im Anschluss luden Subway to Sally auf der Water Stage zu einer kleinen Zeitreise ins Mittelalter ein, während die Reggae-Fans im Clubzelt auf ihre Kosten kamen. Dort spielte nämlich Martin Jondo, der mit Songs seines neuen Albums "Skyrider" für gute Vibes sorgte. Da wirkte das Gegröhle der Metal-Band Heaven Shall Burn schon fast wie eine kalte Dusche und so manch einer verharrte lieber im Clubzelt, wo zu später Stunde zum Sound von Vive La Fete und den Disco Boys getanzt wurde.
Am Sonntag war die Stimmung trotz sengender Sonne bei den Festival-Besuchern gemischt. Die einen bauten schon ihre Zelte ab, andere probierten selbst erfundene Spiele aus, während andere sich die ersten Bands des Tages (u. a. The Swindle und Itchy Poopzkid) ansahen. Ein Rundgang auf dem Campingplatz erregte an manchen Stellen Ekelgefühle, aber rief auch etliche Schmunzler hervor. Ein Festivalbesucher suchte verzweifelt seine Traumfrau, die er in der vorangegangenen Nacht kennengelernt hat, der nächste präsentierte uns "Kunst aus Dosen". Einige waren genervt, weil sie für ihr Müllpfand so lange anstehen mussten. Eines jedoch hatten fast alle gemeinsam: Sie freuten sich auf den Auftritt von Headliner Jan Delay.

Vorher lockte aber noch die dänische Band Dúné vor allem das weibliche Publikum in Bühnennähe. Die Wahl-Berliner konnten auch schon im vergangenen Jahr mit ihrer Mischung aus Alternative-Rock und Elektroanleihen beim DEICHBRAND überzeugen.

Richtig wild wurde es bei den Auftritten von Skindred und Danko Jones. Zu Ragga-Metal-Crossover und Garage-Blues-Rock wurde nochmal alles geschüttelt, was ging. Die Haare flogen und im Pogo-Kreis ging es ordentlich zur Sache.

Zum Gähnen war leider der Auftritt von Tocotronic. Selbst eingefleischte Fans waren enttäuscht. So war es vor der leeren Fire Stage, auf der wenig später Jan Delay spielen sollte, wesentlich voller als vor der Water Stage, wo die Hamburger spielten. Man wollte sich schon mal einen guten Platz sichern und viele nutzten die Zeit um vor dem großen Finale nochmal ein wenig zu relaxen.
Der absolute Höhepunkt des DEICHBRAND-Festivals ließ dann auch nicht lange auf sich warten. Pünktlich um 21.45 Uhr enterte der Chefstyler mit seiner Disco No. 1-Band die Bühne um mit den rund 13 000 Besuchern eine derbe Party zu feiern. "Ich bin large, yo!" singt der 34-jährige, der sogar noch mit weißen Socken cool ist und man muss ihm da einfach zustimmen, denn Jan Delay weiß, wie man eine gute Show macht. Mit viel Humor, lässigen Dance-Moves und einem Soundmix aus Dancehall, Reggae, Funk, Soul, Rapeinlagen und alten Dance-Klassikern überzeugte er schnell auch den letzten Kritiker. Die Menge tobte, wedelte zu "Oh Johnny" mit allem was gerade griffbereit war, tanzte den Stoptanz zu der C&C Music Factory-Nummer "Gonna make you sweat" und aus dem ursprünglichen Festivalgelände wurde eine riesige Disko. Kein Wunder, dass die Fans immer wieder nach einer Zugabe verlangten. Nach über 1,5 Stunden ließ Herr Eißfeldt mit seinem Reggae-Remake von Nenas "Irgendwie, irgendwo, irgendwann" sein Konzert "Chill out-mäßig" ausklingen.

Im Anschluss durfte noch im Clubzelt mit den Monsters Of Liedermaching weiter gefeiert werden.
Am Ende war das Fazit bei nahezu allen Festivalbesuchern eindeutig: Abgesehen von einigen organisatorischen Problemen (zu wenig Sanitäranlagen, überfüllter Campingplatz, lange Wartezeiten am Einlass) war DEICHBRAND 2010 ein echter Burner und viele freuen sich schon auf das nächste Jahr.
Fotos: Friederike Schmalstieg
Weitere Fotos, sowie Interviews mit Martin Jondo und Revolverheld folgen in Kürze!

Aus ganz Deutschland zog es die Musikfans am Wochenende zum DEICHBRAND-Festival, wo ein vielversprechendes Line-Up auf sie wartete. Auch die Wetterprognose sah gut aus...
Sonne satt und Temperaturen um die 30 Grad: Was will man mehr? Bereits am Freitag jagte auf den zwei Hauptbühnen (Fire- und Waterstage) ein Highlight das nächste. Während bei Wayne Jackson, der - musikalisch gesehen - einen sehr guten Auftritt ablieferte, viele noch ihre Zelte aufbauten oder auf Einlass warteten, erreichte die Stimmung beim Auftritt von Revolverheld einen ersten Höhepunkt. Die fünf Musiker legten sich mächtig ins Zeug und spielten neben Songs von ihrem aktuellen Album "In Farbe" und älterem Songmaterial sogar den Fanta 4-Klassiker "Was geht?" Da waren auch Nicht-Fans begeistert: "Wow, die rocken live ja richtig ab!"

Nach den Blood Red Shoes brachte Ärzte-Drummer und Rampensau Bela B. mit seiner Band Los Helmstedt nicht nur die Mädels in der ersten Reihe mit seinem hypnotisierenden Blick ins Schwitzen. Perfekt gestylt und mit einer ordentlichen Portion Elvis-Attitude lieferte der "Human Boss" eine gelungene Show ab.

Richtig laut wurde es an diesem Abend bei Papa Roach. Die Energie der US-Rocker sprang schnell auf das Publikum über: Die Menge bebte und es wurde - im wahrsten Sinne des Wortes - gepogt bis zum Umfallen. Und wer dachte, die Stimmung sei nicht mehr zu toppen, wurde schon bei den ersten Tönen des Megahits "Last Resort" eines Besseren belehrt.

Ob Petrus zu nächtlicher Stunde die angeheizte Masse ein bisschen abkühlen oder einfach auch mal für einen gelungenen Special Efffect sorgen wollte, ist fraglich. Tatsächlich passte das aufkommende Gewitter perfekt zum Konzertauftakt der Apokalyptischen Reiter und ihrer eher düsteren Musik. Viele flüchteten bei dem Regen allerdings lieber ins Clubzelt um dort bis in die frühen Morgenstunden zu feiern.
Das Programm am Samstag startete mit Love Many Feet, Harthof und Ska-Punk von der Sondaschule. Viel zu früh endete leider der Auftritt der Kölner Band Timid Tiger. Sänger Keshav PuruShotam sorgte in seiner flotten Hot Pants samt Hosenträgern nämlich nicht nur hier und da für betretenes Schweigen bei männlichen Modemuffeln. Schon mit ihrem Opener "Electric Island" sorgten die Jungs samt ihrer goldenen Stirnbänder für gute Laune. Schade, dass diese erfrischende Band kurz nach ihrem Britney Spears-Cover "Womanizer" auf Grund des Regens ihren Auftritt vorzeitig
abbrechen mussten.

Noch während des Auftrittes von Ex-Blumfeld-Sänger Jochen Diestelmeyer kamen aber schon wieder die ersten Sonnenstrahlen hervor. So wurde die nachfolgende Show der Ohrbooten nicht nur im musikalischen Sinne sehr sonnig. "Gyp-Hop" nennen die Berliner ihren Musikstil, der das DEICHBRAND-Publikum auch ohne die Aufforderung "Beweg dich" zum shaken und Popo wackeln anregte.

Nach entspanntem Indie-Pop von Grand Avenue, lässigen Hip Hop-Grooves der Combo Blumentopf und coolem Elektro-Sound von Großstadtgeflüster sorgte die Band Madsen für ein weiteres Konzert-Highlight an diesem Wochenende. Kaum zu glauben, dass Sänger Sebastian noch wenige Minuten vor dem Auftritt nervös im Backstage-Bereich hin und her tigerte. Auf der Bühne war der 29-jährige - trotz heißer Showeffekte - völlig cool, kennt "Panik" nur als Songtitel und will gemeinsam mit seiner Band und den Fans "Nachtbaden" gehen, wenn er nicht gerade eine grandiose Coverversion des Pixies-Klassikers "Where is my mind" singt.
Im Anschluss luden Subway to Sally auf der Water Stage zu einer kleinen Zeitreise ins Mittelalter ein, während die Reggae-Fans im Clubzelt auf ihre Kosten kamen. Dort spielte nämlich Martin Jondo, der mit Songs seines neuen Albums "Skyrider" für gute Vibes sorgte. Da wirkte das Gegröhle der Metal-Band Heaven Shall Burn schon fast wie eine kalte Dusche und so manch einer verharrte lieber im Clubzelt, wo zu später Stunde zum Sound von Vive La Fete und den Disco Boys getanzt wurde.
Am Sonntag war die Stimmung trotz sengender Sonne bei den Festival-Besuchern gemischt. Die einen bauten schon ihre Zelte ab, andere probierten selbst erfundene Spiele aus, während andere sich die ersten Bands des Tages (u. a. The Swindle und Itchy Poopzkid) ansahen. Ein Rundgang auf dem Campingplatz erregte an manchen Stellen Ekelgefühle, aber rief auch etliche Schmunzler hervor. Ein Festivalbesucher suchte verzweifelt seine Traumfrau, die er in der vorangegangenen Nacht kennengelernt hat, der nächste präsentierte uns "Kunst aus Dosen". Einige waren genervt, weil sie für ihr Müllpfand so lange anstehen mussten. Eines jedoch hatten fast alle gemeinsam: Sie freuten sich auf den Auftritt von Headliner Jan Delay.

Vorher lockte aber noch die dänische Band Dúné vor allem das weibliche Publikum in Bühnennähe. Die Wahl-Berliner konnten auch schon im vergangenen Jahr mit ihrer Mischung aus Alternative-Rock und Elektroanleihen beim DEICHBRAND überzeugen.

Richtig wild wurde es bei den Auftritten von Skindred und Danko Jones. Zu Ragga-Metal-Crossover und Garage-Blues-Rock wurde nochmal alles geschüttelt, was ging. Die Haare flogen und im Pogo-Kreis ging es ordentlich zur Sache.

Zum Gähnen war leider der Auftritt von Tocotronic. Selbst eingefleischte Fans waren enttäuscht. So war es vor der leeren Fire Stage, auf der wenig später Jan Delay spielen sollte, wesentlich voller als vor der Water Stage, wo die Hamburger spielten. Man wollte sich schon mal einen guten Platz sichern und viele nutzten die Zeit um vor dem großen Finale nochmal ein wenig zu relaxen.
Der absolute Höhepunkt des DEICHBRAND-Festivals ließ dann auch nicht lange auf sich warten. Pünktlich um 21.45 Uhr enterte der Chefstyler mit seiner Disco No. 1-Band die Bühne um mit den rund 13 000 Besuchern eine derbe Party zu feiern. "Ich bin large, yo!" singt der 34-jährige, der sogar noch mit weißen Socken cool ist und man muss ihm da einfach zustimmen, denn Jan Delay weiß, wie man eine gute Show macht. Mit viel Humor, lässigen Dance-Moves und einem Soundmix aus Dancehall, Reggae, Funk, Soul, Rapeinlagen und alten Dance-Klassikern überzeugte er schnell auch den letzten Kritiker. Die Menge tobte, wedelte zu "Oh Johnny" mit allem was gerade griffbereit war, tanzte den Stoptanz zu der C&C Music Factory-Nummer "Gonna make you sweat" und aus dem ursprünglichen Festivalgelände wurde eine riesige Disko. Kein Wunder, dass die Fans immer wieder nach einer Zugabe verlangten. Nach über 1,5 Stunden ließ Herr Eißfeldt mit seinem Reggae-Remake von Nenas "Irgendwie, irgendwo, irgendwann" sein Konzert "Chill out-mäßig" ausklingen.

Im Anschluss durfte noch im Clubzelt mit den Monsters Of Liedermaching weiter gefeiert werden.
Am Ende war das Fazit bei nahezu allen Festivalbesuchern eindeutig: Abgesehen von einigen organisatorischen Problemen (zu wenig Sanitäranlagen, überfüllter Campingplatz, lange Wartezeiten am Einlass) war DEICHBRAND 2010 ein echter Burner und viele freuen sich schon auf das nächste Jahr.
Fotos: Friederike Schmalstieg
Weitere Fotos, sowie Interviews mit Martin Jondo und Revolverheld folgen in Kürze!
Kiki25 - 19. Jul, 23:06

Bei diesen heißen Außentemperaturen lässt es sich am besten am Strand oder im Freibad aushalten. Und welche Musik eignet sich da zum Relaxen besser als sommerliche Reggaeklänge? Wie schön, dass gleich zwei deutsche Künstler dieses Genres neue Alben im Gepäck haben! Der erste im Bunde ist Martin Jondo, der mittlerweile zu einer festen Größe in der deutschen Reggaeszene geworden ist. Sein dritter Longplayer "Sky Rider" wird am 16.7. veröffentlicht. Vorab sorgt die Singleauskopplung “Cherry” schon mal für gute Laune.
Unter strahlend blauem Himmel präsentierte der sympathische Musiker samt Band im Gepäck dem zahlreich erschienenen Publikum seine gefühlvollen Songs wie "Born in the eighties" und "Out of my hands". Die Atmosphäre hätte besser nicht sein können: Kein Drängeln, Schubsen oder Kreischen, statt dessen entspannte Zuhörer, die teilweise bei geschlossenen Augen mitsangen oder verträumt den vorbeischwebenden Heissluft-Ballons hinterher blickten. Aufregende Show-Effekte hat Milow nicht nötig. Er überzeugte mit einer unglaublich positiven Ausstrahlung und seiner Stimme, die live sogar noch besser klingt, als aus der Konserve. Auch seinen Sinn für Humor stellte der 28-jährige unter Beweis, indem er hin wieder ein paar pfiffige Sprüche oder deutsche Floskeln einfließen und sogar seinen Gitarristen und Background-Sänger einen deutschen Schlager singen ließ. Nach seinem Charterfolg "Ayo Technology" (im Original von 50 Cent, Timbaland und Justin Timberlake) verließen Milow und Band kurz die Bühne um wenige Minuten später noch einmal mit einer Zugabe - einem neuen Song - zu begeistern.
Von so einem Karrierestart kann mancheiner nur Träumen. Entdeckt wurde Iyaz von Sean Kingston, der ihn gleich auf seinem Label Time Is Money unter Vertrag nahm. Gleich mit seiner ersten Single "Replay" landete der Newcomer auf Platz 1 in den amerikanischen Billboard-Charts. In Deutschland erreichte er immerhin schon Platz 3 in den Black Charts. Kein Wunder, denn die Gute-Laune-Nummer geht direkt ins Ohr. Iyaz' Album "My Life" kommt voraussichtlich im Februar in die Läden.
Nach kurzer Verschnaufpause für die bereits verschwitzten Fans enterte Samy samt Tsunami-Band die Bühne und legt los mit "Dis wo ich her komm". Die Zeiten, zu denen der MC mit arrogantem Blick seine "Ich bin der Beste"-Texte ins Mic rappt, sind sichtlich vorbei. Charmant, mit viel Blickkontakt zum Publikum und immer wieder lächelnd, präsentierte Herr Deluxe die Songs aus seinem aktuellsten Album: Ein gelungenes Potpourri aus Rap, Reggae, Dancehall und Swing, gepaart mit sinnigen Texten. Bevor er den "Oma Song" anstimmte, nutzte er gleich die Gelegenheit um seine beim Konzert anwesende Mutter zu grüßen. Na, wenn das keine familiäre Atmosphäre ist! Nach knapp einer Stunde verabschiedeten sich Samy und seine hervorragenden Musiker kurz, um nur ein Minütchen später einen Endspurt abzuliefern, der sich gewaschen hat. Die musikalische "Therapie" wurde fortgesetzt mit Klassikern wie "Weck mich auf" oder den Dynamite Deluxe-Nummern "Dynamit" und "Weiter", was bei den Konzertbesuchern wilde Begeisterung auslöste.
Den Auftakt machte am späten Nachmittag Newcomer Leon Taylor aus Frankfurt am Main. Schnell zog das 25-jährige Energiebündel die Festivalbesucher mit seinem deutsprachigen Soul-Pop in seinen Bann. Vom Regen, der kurz vor seinem Auftritt einsetzte, zeigte sich das Publikum gänzlich unbeeindruckt. In Regencapes und Platikplanen gehüllt wippte man begeistert zu Songs wie "Reparier mich" und "Fliegen" mit.
Nik Kershaw, der nächste Act an diesem Tag, betrat ohne viel Aufsehen die Bühne und legte sofort los mit seinem zeitlosen Pop. Ein Entertainer ist der 51-jährige Brite vielleicht nicht unbedingt, aber seine gesanglichen Qualitäten begeisterten nicht nur die Fans. Auch Petrus schien seine Musik gefallen zu haben, denn spätestens bei den ersten Klängen des 80er-Hits "The Riddle" brachen Sonnenstrahlen durch die dunkle Wolkendecke und tauchten den Strand in ein traumhaftes Licht. Als Kershaw die Nummer "Won't let the sun go down on me" anstimmte, erreichte die Stimmung einen weiteren Höhepunkt und das Publikum sang inbrünstig mit.
Das absolute Highlight des Festivals ließ nicht lange auf sich warten: Eine halbe Stunde früher als ursprünglich geplant enterte Rod Stewart um kurz vor acht mit seinen Musikern und Sängerinnen die Bühne und startete mit der Nummer "Some guys have all the luck". Ob es am Wetter lag, dass der 64-jährige Brite sich zunächst an der Nordsee glaubte? Über diesen kleinen Faux-Pas sah die Menge jedoch milde hinweg und seine Saxophonistin Katja Rieckermann, die aus Lübeck stammt, klärte ihn später über seinen Irrtum auf. Charmant präsentierte "The Rodfather" seine großen Welthits wie "Baby Jane", "Rythm of my heart" oder "Sailing". Als der Fussball-Fan "Hot legs" anstimmte - nicht ohne vorher auf der Leinwand ein Foto von sich im knappen Dress mit High Heels zu zeigen - stellte er gleich auch sein sportliches Talent unter Beweis und kickte reihenweise Fußbälle in die Menge. Gänsehautstimmung pur erfasste die Fans bei seiner Ballade "The first cut is the deepest". Wunderkerzen und Taschentücher schwenkend sangen die Besucher Zeile für Zeile mit. Nach knapp 90 Minuten inklusive einer kurzen Zugabe verschwand der Weltstar mit einem flüchtigen Händegruß wortlos und endgültig die Bühne...
Der Countdown läuft: Am 10. Juli gibt der britische Rockstar Rod Stewart am Eckernförder Strand sein einziges Sommer-Open-Air-Konzert in Norddeutschland. 15.000 Besucher können sich auf eine eineinhalbstündige Show mit jeder Menge Hits wie „Sailing“, „Baby Jane“, „Da Ya Think I’m Sexy?“ oder „Rhythm of my heart“ freuen.
“Susius, oh Susius, det is die Frau bei der man zuhören muss” singt Reggae-Sappelschnute P. R. Kantate so treffend im ersten Track auf dem Album. Recht hat er, denn die teils nachdenklichen, teils amüsanten Texte der Sängerin und Rapperin aus Berlin haben so gar nichts mit denen ihrer Kollegen aus der Gegend gemeinsam. Musikalisch aktiv ist Susius bereits seit über 10 Jahren. “Alles muss raus” heißt die Debüt-Scheibe der 30-jährigen, welche laut Intro Skit auf dem
Damals saß er bei ECHT hinter den Drums, heute steht er als MC hinter dem Mikro: Florian Sump alias Jim Pansen. Schon vor seiner Karriere bei ECHT startete er erste Gehversuche in Sachen Rap, z.B. zusammen mit seinem Ex-Bandkollegen Kai unter dem Namen Die Coolsten Boys oder auch bei SevenUp, wie ECHT sich vorher nannten. Nach dem Aus für die Flensburger Teenie-Band wurde es vorerst ruhig um Flo. Um sich über Wasser zu halten, jobbte der Wahl-Hamburger sich durch und bastelte heimlich, still und leise an seiner Hip Hopper-Karriere. Vor etwa drei Jahren veröffentlichte der Kerl mit dem breiten Grinsen gemeinsam mit Trojaner, Dittsche Dansen und – ebenfalls Ex-Echt-Member - Kai-Tek unter dem Namen Die Vereinigten Starten im Internet ein gleichnamiges Album und machte zudem durch seine pfiffigen Videos bei youtube und Co. von sich reden. Nun ist endlich seine erste Solo-Scheibe „Jim Pansen und die verbotene Frucht“ am Start. Wer auf Ghetto-Gehabe und Goldkettchen-Style steht, wird enttäuscht aus der Wäsche gucken, denn der Pansen baut lieber auf Wortwitz und Ironie. Gut gelaunt reimt er über geile Pizzastücke, seine Erfahrungen mit der MPU oder seine Anmach-Taktiken. Auch der Refrain eines alten ECHT-Tracks wurde kurzerhand von ihm umgestylt. Die locker-flockigen Beats sind abwechslungsreich und kommen mal funky, mal chillig und mal Kopfnicker-fördernd daher. Als Feature Acts sind, neben seinen Flensburger Jungs, Mo sowie Oceana auf dem Album zu hören. „Die verbotene Frucht“ dürfte durchaus Anklang bei den Freunden guter Rap-Musik finden. Nur über seinen Namen sollte sich der Flo mit Flow noch mal Gedanken machen, denn Jim Pansens gibt es viele und woher weiß man am Ende, welches der Richtige ist?




